Gespeichert unter: Kunsthappen, Umami | Schlagworte: Film, Fotografie, München, Stadtmuseum
Hier wird der Kunstmarkt semisäuberlich durchwühlt, einige beachtenswerte Prachstücke werden aufgegriffen und sinngerecht portioniert. Also Mund zu, Augen auf:
Seit gestern gibt’s im Münchener Stadtmuseum viel nacktes Fleisch zu begutachten. Genauer gesagt 190 Werke, die im Rahmen der Ausstellung Nude Visions-150 Jahre Körperbilder in der Fotografie bis zum 13. September die Ausstellungsräume ansehnlich bekleiden. Als die Exposition 1985 erstmals gezeigt wurde, konnte sie noch schockieren, heute wird’s nicht erst versucht.

Bert Stern, Marilyn Monroe,1962
Klar, wir sind abgeklärt, dennoch fasziniert der menschliche Körper, wie kein anderes Sujet. Dass es die Zurschaustellung von Nacktheit schon Mitte des 19. Jahrhunderts gab und wie unzüchtig es damals herging, kann man sich in Form von originalen Daguerrokopien schmecken lassen.
Von den zaghaften Anfängen um 1855 bis 2005 kann man die Aktstudien im Wandel der Zeit nachverfolgen, einige nette Zitate, wie „Kunst sollte nicht mehr Sex haben, als Mathematik“ durchmischen die sinnlichen Stücke, hier noch eins von Uschi:

Guido Mangold, Uschi Obermaier in Kamerun, 1968
So jetzt schmeiß ich noch mit ein paar bekannten Namen, wenn’s animiert, umso besser: Guy Bourdin, Jürgen Teller, Frank Stürmer, Willy Zielke, Herbert List, Dennis Oppenheim, Charles Gatewood, Warwick Brookes, Jan Mutsu, Lucien Clergue,Will McBride. Weiter mit weiblicher Perspektive: Ruth Bernhard, Ulrike Frömel, Marta Hoepffner, Marianne Leissl, Elfriede Reichelt, Hanna Seewald und Karin Székessy. Klar, Helmut Newton bleibt auch nicht unerwähnt, hier eine Hommage an den 2004 verstorbenen Meister, leider ist sonst nur ein einziges seiner Fotos zu sehen.

Hermann Stamm, Hommage à Helmut Newton, 1985

Gerhard Riebicke: „Paar beim Ausdruckstanz“ (um 1930)
Und neben Humorigem, wie auf diesem Schmankerl, das ebensogut ein Schnappschuss vom Filmset eines „Unter’m Dirndl wird gejodelt“ -Schmuddelstreifens sein könnte, sieht man auch Groteskes:

Jürgen Teller: „Kristen McMenamy“ (1996)
Weitere Enthüllungsreflexionen gibt’s hier
Warum muss ich jetzt nur an Karl Heinz Böhm denken? A propos grotesk: In Peeping Tom (Michael Powell, 1960) miemt unser Franz nämlich einen mordenden Voyeur, hätte ihm beinahe seine Karriere verpfuscht, hier das Goldkind in Action: Look Out! und hier: Unbedingt sehenswert, ihr wisst: Fear him, but pity him also!