Ab geht’s mit neuen und wiederentdeckten cinematographischen Auswüchsen.
Wir packen süffisanten Rotwein, milden Comté und ordentlich Appetit ein und widmen uns dem noch aktuellen, französischen Kinogenuss von Regisseur und Drehbuchautor Rémi Bezançon: Le premier jour du reste de ta vie (2008) / C’est la vie- So sind wir, so ist das Leben.
Worum geht’s? Um das Lieben und Leben der 5- köpfigen Familie Duval. Hört sich nicht besonders verlockend an? Abwarten und Trailer beschnuppern:
und auf deutsch:
Hier werden beflügelnde Dialoge mit knackigem Witz, und charismatischen Charakteren zu einem amüsanten Filmmenü verwoben, das einem ein Lächeln auf’s beflimmerte Gesicht zaubern kann.
En Gros: Im ersten Drittel nimmt der Film rasanten Anlauf und legt mit spritzigen Inhalten, gekonnten Schnitten und gezielten Rückblenden immens vor, um auf halbem Weg an einer Pathospfütze abzurutschen, aber dennoch gediegen und größtenteils trocken im Ziel einzulaufen. Will heißen: Dass sich Bezançon raffiniert und sensibel zunächst der Perspektive der drei „Kinder“ widmet, um dann einen konsequenten Übergang zu den Eltern zu legen, wirkt sich auch auf Tempo, Rythmus und Inhalt aus. Er selbst nennt diese Erählstrategie „sternförmig“, der filmische Zeitraum umfasst die Jahre 1988 bis 2000.
Angefangen beim Auszug des Ältesten, Albert (Pio Marmaï), über zur liebeskummrigen Rebellin Fleur (Déborah François) bis zum dritten, prokrastinierenden Luftgitarristen und Weinliebhaber Raphaël (Marc-André Grondin), werden hier amüsante und brisante Ereignisse einfühl- und unterhaltsam durchdekliniert. Da das Erwachsenwerden in den 90ern lokalisiert ist, gibt’s zudem ne ordentliche Portion Grunge, Hommagen an Jim Morrison, Kurt Cobain und Westernheld Steve McQueen sind Programm.
Im Übergang zur Elternperspektive wird an Leichtigkeit runtergefahren und eine Prise Melancholie und Tiefsinn zugefügt, der jedoch mit einer Ladung Lebenslust rechtzeitig gegengesteuert wird. Der Inhalt schrammt an der Konfliktlinie zwischen Alter, Attraktivität und Anerkennung entlang und bezieht Probleme innerhalb der Generationen mit ein. Marie-Jeanne (Zabou Breitman) wirkt als gluckende Mutter authentisch und Vater Robert (Jacques Gamblin) erfrischt mit Charme und Impulsivität.
Ein Film mit viel krispem Esprit, der es schafft, Momente genuiner Schönheit einzufangen, ohne in lauernde Kitschgräben abzudriften. Die bemerkenswert appetitlichen Charaktere machen einem die 114 Minuten zum sinnigen Vergnügen und wer kann, der sollte sich unbedingt die französiche Fassung genehmigen, der Prickelfaktor erhöht sich allemal!
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München leuchtet. Und, dass Geflimmer in dieser feinen Stadt viel kostet, weiß jeder gutinformierte Mietspiegelverfolger. Daher schreit es hier förmlich nach Rebellion, wenn subkulturelle Winde durch die Stadt wehen, die in der Hauptstadt und anderswo längst als Mainstream abgeheftet werden. Das inszenable Glockenbachviertel riecht derzeit nach einem Hauch von Revolte. Denn, wo sonst nächtliche Bum-Bum Anstalten walten, kann der findige Münchner neuerdings tagsüber seine Garderobe erweitern und sich dabei ein bisschen avantgard fühlen. Guerillashops öffnen für kurze Zeit im Horses Cars and Stars/Machima in der Schellingstraße und im Cafe am Hochhaus/Vaaon in der Blumenstraße ihre Pforten für das Szene-Klientel.
Leider verwehren hohe Zwischenmieten, Gewerberegelungen und sonstige Bürokratie meist den verwegenen Popup-Spaß.
Ja, auch in Grün gibt’s eine ähnlich frivole Aktion, nennt sich dann Guerilla Gardening , wo pflanzwütige Umweltfreunde -bewaffnet mit Schaufel und Ablegern- graue Areale besamen, vorbildlich organisch! Solch Marketingstrategie scheint auch in der Esotherik gut anzukommen, denn hier gibt’s heimliche und heftige Guerilla-Yoga Happenings, Wohlfühlfaktor und Weichspülergesicht inklusive. Ganz andere Sorgen haben die bohemen Studenten bei der Wohnungssuche in Paris. Für 18 qm muss man dort schon mal 850 € abgeben. Aber die Franzosen, bekannt für ihre ausgeprägte Revolutionskultur, haben sich ein feines, wenn auch noch nicht sonderlich ertragreiches Konzept gegen die horrenden Abgaben ausgedacht: Die Studenteninitiative Le Jeudi Noir (in Anlehung an das wöchentlich erscheinenden Wohnungsanzeigenblatt PAP) sucht sich donnerstags jeweils eine der würzigsten Wohnungsgebote raus und vereinbart einen Besichtigungstermin. Ist einer der mutmaßlichen Interessenten in der überteuerten Kammer, wird der Rest, bestückt mit Sekt und Luftschlangen, in die Wohnung gelotst: Guerillafeierei par excellence! Plakatives Anprangern soll den Eigentümern die Augen öffnen.
Polizei und verdutzte Inhaber zu beschwichigen, wird nach dem Partyüberfall alles feinsäuberlich geputzt. Doch solange die Mieten nicht sinken, muss die Meute wohl weiter fremdfeiern. Wann sowas mal in diesen Breiten passiert? Mein Wochenanzeiger liegt jedenfalls parat…