don't panic, it's organic!


Kein Comeback
28. Juni 2009, 18:21
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Ja, es brodelt noch immer. Bevor der normale Betrieb hier weitergeht, gilt es kurz innezuhalten und der eigenartigen Leere nachzuhorchen, die Michael Jacksons Abtritt hinterlassen hat. Uri Geller findet das auch. Wir machen also Platz für die musikalischen Meilensteine jener Ikone, die nicht nur 13 Grammys gewann und über 750 Millionen Alben verkaufte, sondern auch den Griff in den Schritt rythmisch (re-)sozialisierte, durch und durch organisch:

Für Thriller wurde der Regisseur John Landis (American Werewolf, Blues Brothers) engagiert und Martin Scorsese führte bei folgendem Clip die Regie:

Für Billie Jean saß Steve Barron (Coneheads, Teenage Mutant Hero Turtles) auf dem Klappstuhl:

Und die Choreographie in Smooth Criminal stammt von Vincent Paterson, dessen Rafinesse man u.a. in Dancer in the Dark und in der famosen Nachtclubräkelei von Natalie Portman in Closer bewundern kann  :

…schließlich noch eine Hommage an koffeinhaltige Erfrischungsbrause aus den 80ern:



Vom Laufsteg auf die Straße?
10. Juni 2009, 10:02
Gespeichert unter: Labellos | Schlagworte: , , ,
Spring/Summer 2009 Show von John Richmond (Getty Images)

Spring/Summer 2009 Show von John Richmond (Getty Images)

Es gibt viele fragwürdige Modetrends, darunter wird auch folgende Kategorie fallen.

Das Phänomen sieht man neuerdings auf vielen Straßen unserer schönen Stadt und nicht nur hier. Ich rede von einer gewissen Sorte Mädchen, die es prima zu finden scheint, mit leicht eingekrümmten Kniekehlen über die Pflaster zu flanieren. Man sieht sie händchenhaltend, kichernd, konsumierend und permanent schenkelinvertierend. Nein, um das mal klarzustellen, hier sollen keine angeborenen oder sonstigen Fehlstellungen des menschlichen Körpers angeprangert werden! Ich meine all jene Frauen, die es aus unerfindlichen Gründen chic finden, eine latente x-förmige Gangart einzusetzen und nicht merken, dass sie dabei wie wandelnde Klappstühle aussehen. Mädels, was ist los mit euch? Nach der vierten Staffel Germany’s Next Top-Model, sollte man doch wenigstens gelernt haben, wie Gehen aussehen kann. Soll die vorwärtsgerichtete, dynamische Kniekehlenannäherung etwa charmant, tollpatschig, süß oder gar sexy wirken? Tut es nicht, glaubt mir. Anstrengend ist hier der richtige Ausdruck. Um zukünftiger Hüftgelenksarthrose vorzubeugen und Gutes für meine mittlerweile überanstrengten Augen zu tun, bitte ich euch: Lernt gehen!



Coffee and Cigarettes
7. Juni 2009, 22:24
Gespeichert unter: Filmfreak, Labellos | Schlagworte:

Ab geht’s mit neuen und wiederentdeckten cinematographischen Auswüchsen.

Heute im Visier: Ein Regisseur, der unser Verlangen nach Koffeein/Nikotin mit seinem Kultfilm Coffee and Cigarettes (2003) subtil und nonchalant verbildlichte. Jim Jarmuschs kontemporäres Stilleben aus schachbrettbemustertem Tisch, Zigarettenschachteln und gefüllten Kaffeetassen aus der Vogelperspektive, lässt mit Sicherheit einige Areale eurer Hirnrinde farbig aufleuchten. Der Film setzt sich aus mehreren Kurzfilmen zusammen, Drehbeginn war Mitte der 80er (kein Hauch von Rauchverbot) und zog sich bis in die nuller Jahre. Die Variablen:  Sich mit koffeinhaltiger Brühe zuschüttende und nach Nikotin schnappende Kommunikanten. Dialog steht im Vordergrund und wird mit mürbem Humor, knarzigen Pointen und exzentrischen Typen angereichert: Von Roberto Begnigi über Iggy Pop und Tom Waits, bis hin zu Cate Blanchett, Renée French, Meg und Jack White. Zwei der mysteriösen Charaktere seines neuen Auswurfs „The Limits Of Control“, Isaach de Bankolé und Bill Murray gehören ebenfalls zum Inventar. Erschlagen von den vielen Namen? Hier ein kleiner Stimulant: Weiter mit Nachschlag, diese Episode ist absolut selbsterklärend:

Inhaltlich geht’s neben den belebenden Lastern um das Leben, Popularität und Beziehungen. Viel wichtiger ist hier die Frage: Gibt es einen bösen Zwilling? Wenn ja, welcher?

Klar, ist sich Jarmusch seiner Vorbildfunktion bewusst, na jedenfalls formal.  Dass der Titel programmatisch verteufelt wird versteht sich, zugeprostet wird immerhin analkoholisch. Folgende Episode kann als skurriler Aufklärungsbeitrag gesehen werden und wem von euch brennt beim Anblick von Bill Murray nicht eine ganz bestimmte Refernz im Gaumenraum? Richtig:

Um die Synthese aus Musik und Medizin geht es auch bei Iggy Pop und Tom Waits:

Lust bekommen, Lunge und Blutkreislauf mit Schadstoffen zu belasten? Wenn die filmische Inszenierung genügt, Restegucken auf youtube!



Alles weiterhin Roger!
30. Mai 2009, 23:23
Gespeichert unter: Labellos | Schlagworte: ,

Ja, sie kommt. Die langerwartete Antwort auf Roger Willemsens taz- Kommentar zum  jetzt schon halbvergessene Finale von GNTM: „Der Exzess der Nichtigkeit aber erreicht seinen Höhepunkt, wo Heidi Nazionale mit Knallchargen-Pathos und einer Pause, in der man die Leere ihres Kopfes wabern hört, ihre gestrenge Entscheidung mitteilt und wertes von unwertem Leben scheidet. Da möchte man sechs Sorten Scheiße aus ihr herausprügeln – wenn es nur nicht so frauenfeindlich wäre“.

Tja, so schaut hierzu Heidis wohlüberlegte Antwort aus, oh, oder eventuell sind das doch Papas Sätze, die Klum die Woche über auswendig lernen musste und nun endlich wiedergeben kann. Also heißt es auf Bild.de mit der wegweisenden Schalgzeile Nach der Attacke von Roger Willemsen:

Jetzt schlägt Topmodel-Mama Heidi Klum zurück. Jugendliche, begebt euch nicht auf dieses Niveau!

Klum ist geschockt. Sie verstehe nicht, dass „ein angeblich intelligenter Mann“ eine solche Bemerkung von sich gebe: „Nämlich die, eine schwangere Frau zu verprügeln“, sagte sie der Nachrichtenagentur ddp. Sie hoffe, „dass andere Menschen und vor allem unsere Jugendlichen schlau genug sind, sich nicht auf das Niveau von Herrn Willemsen zu begeben“. (Ein wenig anders wird die Chose bei Spiegel Online beleuchtet.)

So, einer musste es ja mal sagen und, dass es von Willemsen kam, tut gut. Die Fragwürdigkeit des vermittelten Aggressionspotenzials sei nun dahingestellt. Klar wird nun empört der seitens Willemsen unglücklich gewählte Ausdruck „frauenfeindlich“ polemisiert. Dabei ist es ab und zu mal angebracht, die Untenrum-Frage beiseite zu lassen und stattdessen die Inhalte zu beleuchten, um die es hier wohl auch gehen sollte: Sei es nun das ebenso beliebte, wie sinnfreie Sendeformat, oder dessen dürftige Moderation. Wenn Dieter Bohlen fragwürdige Kritik übt und selbst kritisiert wird, hört man danach selten Männerreigen zähnefletschend  aufschreien. Zu einem Diskurs gehört Kritik. Dass diese eher konstruktiv sein sollte, versteht sich. Aber knallen darf es an den richtigen Stellen schon mal ordentlich- na jedenfalls hypothetisch…